Offener Brief an alle Liebhaber unabhängiger Musik




Liebe Lovers, Freunde und Liebhaber unabhängiger Musik,


mein Name ist Michél Kroll und ich spiele Gitarre und singe in der Berliner Band „The Love Bülow“. Wir machen jetzt seit 6 Jahren Musik und wir haben wie so viele Independent-Künstler schon vieles erreicht: tolle Alben, unzählige Gigs, große TV-Auftritte, etliche Einsätze im Radio, gute Presse und eine treue Fanbase. Und wir als Bands verstehen, dass man da als Außenstehender natürlich leicht denken kann: „Die haben es geschafft, geile Band, ich war auf tollen Konzerten, habe sie schon öfter im Radio gehört und die Musik ist großartig. Natürlich leben die Künstler davon, die müssen gut verdienen.“


Lasst uns mal einen Blick auf eine typische Independent-Band werfen, damit ihr eine genauere Wahrnehmung von dieser Truppe habt, die ihr grad neu entdeckt habt oder schon seit den Anfängen verfolgt. Die großartige Musik macht, euch aus dem Herzen spricht, euch mitreißt, immer für euch da ist auf eurem Player, für die ihr immer Werbung macht auf Facebook, ohne die ihr eure letzte Trennung oder Party nie überlebt hättet.


Bands wie meine Boys von „The Love Bülow“ sind, wenn sie hart arbeiten und viel Glück haben, auf einem engagierten Independent-Label und haben eine gute Booking-Agentur. Wie wir z.B. bei Motor und KBK. Eine tolle Runde, in der wir uns wohl fühlen. Solche Partner geben uns viel Input, schaffen Beziehungen zu Veranstaltern und Medien und sorgen für Gigs und eine gute Außenwahrnehmung. Aber damit ein Künstler Kunst machen kann, oder wie in unserem Falle, ein Musiker Musik, kommt er nicht daran vorbei, Geld zu generieren. Er braucht Zeit, Songs zu schreiben, Instrumente und eine Menge anderes Equipment. Dazu Geld zum Aufnehmen seiner Musik, für Werbung/Marketing, damit diese Musik euch auch erreicht. Zum Buchen von Auftritten in Clubs, zu denen hoffentlich genug Leute kommen. Geld zum Pressen der CDs und zur Produktion von Merchandise-Artikeln. Geld für den Bus, damit man auch mal außerhalb seiner Heimatstadt spielen kann. Die Liste ist lang.


Und da liegt das große Problem. Künstler lieben Kunst und hassen Business, meistens. Diese beiden Sachen sind einfach zu konträr: Herz gegen Verstand sozusagen. Die Sache ist: Eure lokale, regionale oder nationale Lieblingsband wird euch nicht sagen: „Wir haben kaum Geld, wir bekommen es gerade so hin. Wenn die Shows nicht gut besucht sind, haben wir keine Ahnung, wovon wir leben sollen.“ Aber ihr kennt alle Sätze wie: „Schön, dass ihr da seid!“, oder „Wir haben 'ne neue CD draußen, holt sie euch!“. Übersetzt heißt das so viel wie: „Ohne euch geht es nicht, kauft ihr nicht die Platte, kommt ihr nicht zu den Konzerten, gibt es uns nicht.“


Um es auf den Punkt zu bringen. Kunst kann nur existieren, wenn sie jemand finanziert.


Wenn ich jetzt mal als Beispiel unsere Band nehme, haben wir zwar viele und tolle Shows mit anderen geilen Bands vor vielen Menschen gespielt und viele von euch dort kennengelernt. Am Ende haben wir jedoch alles verdiente Geld wieder in die Band gesteckt, für all die Sachen über die ich schon gesprochen habe.


Bei uns steht zum Beispiel gerade unser drittes Album an. Wir haben uns für das Crowdfunding entschieden. Bedeutet: Ihr könnt die CD und viele andere „Dankeschöns“ vorbestellen, ab einer bestimmten Summe bekommen wir was im Sammeltopf gelandet ist und können das Album für euch produzieren. Wir haben eine realistische Summe von 20.000€ angesetzt. „Holy Shit, 20.000€, warum denn so viel?!“, fragt man sich. Schnell erklärt: 10000€ Studio, 1000€ Mastering,


2000€ Pressung, 2000€ GEMA, 4000€ Artwork und Videos, 1000€ Dankeschöns. So schnell geht’s.


Dazu kommen dann noch die Kosten für das Bewerben der CD in allen möglichen Medien, damit die Leute überhaupt wissen, dass wir so eine geile Platte gezaubert haben.


Meine Frau meinte: „Ihr habt doch’n Label und Manager etc. Ihr seid doch erfolgreich, wozu braucht ihr denn noch Crowdfunding?“ Und da hat es Klick gemacht. Wenn meine bessere Hälfte noch nicht mal weiß, wie hart es für Independent-Bands ist, wie geht es dann erst vielen von euch?


Denn, wir glauben nicht, dass euch eure Lieblingsbands egal sind. Wir glauben nicht, dass euch gute Musik nichts wert ist, dass ihr lieber einen Cocktail schlürft, als ein tolles Album zu kaufen. Ich glaube es liegt einfach an fehlenden Informationen. Informationen wie dieser. Ich beschönige hier nix, ich jammere auch nicht. Ich liebe was ich tue, ich liebe meine Boys, ich fühle mich privilegiert, auf der Bühne zu stehen mit Songs, die ich mitgeschrieben habe. Ich bin stolz wie Bolle, wenn ihr unsere Texte mitsingt und ein Foto mit uns möchtet, oder ich eines unserer Alben für euch signieren darf. Aber die Situation ist ganz einfach.


Wir brauchen eure finanzielle, ideelle und persönliche Unterstützung. Alle Bands, alle Künstler. Es reicht nicht, die Songs zu streamen. Kommt zu den Gigs eurer Band. Sie reißen sich den Allerwertesten auf, um vor euch spielen zu können. Kauft deren CDs und Merchandise. Oder in unserem Falle: Bestellt das Album vor! Es ist halt eine Symbiose im besten Fall. Im schlimmsten Fall leider ein Teufelskreis.


Auch wenn jemand kein Geld hat, kann er viel tun. Fragt eure Chefs, ob man nicht zur Firmenfeier mal eine tolle Band auftreten lassen kann. Gründet Fanclubs und sucht den Kontakt zu eurer Band. Fragt nach, wo sie Hilfe braucht. Glaubt mir, ihr werdet überrascht sein, wie gut das klappt. Schreibt über eure Band einen Artikel in der Schulzeitung oder eurem Blog. Fragt in Wunschsendungen nach eurem Lieblingssong. Immer und immer wieder. Macht Fanvideos auf YouTube.


Mein Gruß geht raus, an alle Bands da draußen, egal ob 100 oder 50.000 Facebook-Likes, egal ob 5 oder 100 Gigs im Jahr. Mein Gruß geht raus an alle Independent-Label, Agenturen und Veranstalter, die mit unglaublich viel Engagement und tiefster Liebe zur Musik dabei sind. Und vor allem grüße ich dich lieber Fan, lieber Weltverbesserer, lieber Nerd, lieber Hippie, lieber Normalo und alle anderen auch. Ihr seid unser Blut. Ihr seid unser Antrieb. Teilt dieses Video, wenn ihr euch angesprochen fühlt, wenn ihr unserer Meinung seid. Lasst uns gemeinsam die Kunst und die Musik so bunt wie möglich halten.


Danke für eure Aufmerksamkeit, mein Name ist Michél Kroll von „The Love Bülow“. Ahoi!

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